Wohl oder Übel
Hinterglasmalerei, Zeichungen und Radierungen von Wolf Hamm
17.06.2011 - 12.08.2011
Goldene Zeiten (2009), Innere Sicherheit (2008), Die Schönen und die Reichen (2008), Acryl hinter Acrylglas
Luxus bezeichnet das Vorhandensein von Dingen, die über das übliche, von einer Gesellschaft als notwendig und sinnvoll erachtete Maß hinausgehen. Der Begriff Luxus wird zunehmend nicht mehr nur für materielle Güter verwendet, sondern auch für immaterielle Werte, deren Vorhandensein nicht selbstverständlich ist. Luxus fasst damit Phänomene zusammen, die für einen großen Teil der Gesellschaft erstrebenswert, aber nicht erreichbar sind. Deshalb ist ihr Wert hoch, der Besitz von Luxusgütern wird zum Symbol für Erfolg und Reichtum.
Was in einer Gesellschaft Luxus ist, ist also abhängig davon, was diese Gesellschaft für üblich, notwendig und sinnvoll hält. Nicht zuletzt darin liegt die Brisanz aktueller Debatten etwa um die Sicherung des Existenzminimums, Mindestlöhne und die Förderung von Kindern. Und wo bewegt sich die Grenze zwischen purem Luxus und dem gesellschaftlich Üblichen in Bezug auf immaterielle Werte wie zum Beispiel Freiheit, Menschenwürde, Sicherheit, Selbstbestimmung, Glück?
Im Zentrum der Bilder Wolf Hamms stehen menschliche Beziehungsgeflechte in ihrem Spektrum von privaten Konstellationen bis zu gesellschaftlich-politischen Konflikten. Wie auf einer Bühne agieren Figuren, in verschiedenen künstlerischen Techniken collagenartig verwoben mit Zeichen, Ornamenten, Alltagsgegenständen, Natur und Architektur. Die Bilder laden dazu ein, wie Geschichten "gelesen" zu werden und Assoziationsketten zu verfolgen. Sie werfen Fragen auf, ohne Antworten vorzugeben.
"Wenn politische Kunst sich durch Anspruch und Wirkung definiert, dann erfüllt Wolf Hamm diese Kriterien auf eigene Weise. Sein Anspruch könnte darin gesehen werden, den Betrachter empfinden zu lassen, dass er nur dieses eine Leben zu leben und zu gestalten hat. Vermutlich liegt darin auch schon die schockierende Wirkung, von der Betrachter vor den Bildern des Künstlers sprechen. Die Bilder ziehen das Publikum in Tabuzonen des modernen Daseins." (Rainer Bessling)
Über Wolf Hamm
Geboren 1974 in Delmenhorst. Lebt und arbeitet in Berlin. Ausbildung bei Marjatta Tapiola in Finnland, bei Prof. W. Schmitz und Prof. Paco Knöller an der Hochschule für Künste Bremen und an der Kunstakademie Düsseldorf. Meisterschüler bei Prof. Siegfried Anzinger. Stipendien der Fundación Bilbao Arte, Spanien, und der Städtischen Galerie Bremen. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und Spanien.
Mehr unter www.wolfhamm.de

